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Tape-Verband

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Synonyme

Sportorthesen; Stützverband; Funktioneller Verband; Pflasterbinde; Pflasterverband

Englischer Begriff

Tape dressing

Definition

Funktioneller Stützverband aus festen und elastischen Pflasterstreifen, die zur Entlastung oder zum Schutz von Gelenken, Bändern, Sehnen und Muskeln direkt auf die Haut aufgeklebt werden. Bei erhaltener Beweglichkeit ist der Tape-Verband geeignet, schädliche Krafteinwirkungen zu neutralisieren, unerwünschte Bewegungen zu hemmen, Muskel-Sehnen-Einheiten zu verkürzen, gezielt Kompression auszuüben und vor allem die Propriozeption zu verbessern. Immobilitätsschäden wie Muskelatrophie, Kapsel-Band-Schrumpfung oder Knorpelschäden durch Malnutrition werden vermieden. Tape-Verbände lassen sich einfach und individuell herstellen und werden häufig im Leistungssport und in der Rehabilitation eingesetzt.

Indikation

Prävention bei verletzungsträchtigen Sportarten, Rehabilitation nach Sportverletzungen, allgemeine posttraumatische oder postoperative Rehabilitation, kleinere Muskelfaserrisse, Distorsionen, funktionelle Behandlung bei stabilen Frakturen, chronische Bandinsuffizienzen oder Gelenkinstabilitäten, Überlastungsreaktionen wie Paratendinitis, Achillodynie.

Kontraindikation

Frische komplette Band- oder Sehnenrupturen, frische Frakturen, komplette Muskelrisse, Kompartmentsyndrom, offene Wunden, ausgeprägte intraartikuläre Ergussbildung, akute Infektionen, akute rheumatische Erkrankungen, starke Ödemneigung, frische Thrombosen, Adipositas permagna, Allergie gegen den Klebstoff.

Durchführung

Der Tape-Verband sollte unmittelbar vor dem Training bzw. zu Beginn der Rehabilitationsmaßnahme angelegt werden. Dazu muss die Haut gereinigt, fettfrei und trocken sein. Einschnürungen, Strangulationen oder Falten müssen vermieden werden. Unelastische Pflasterstreifen dürfen nur semizirkulär oder maximal eintourig angelegt werden.

Aufbau: Anker markieren die Grenzen des Verbands und bestehen aus gut haftenden semizirkulären oder zirkulären unelastischen Pflasterstreifen ohne Zug. Die Zügel sind die tragenden Elemente des Tape-Verbands, die mit ihren Enden an den Ankern fixiert sind. Sie werden einfach oder dachziegelartig angelegt, längsverlaufend, U-förmig oder spiralförmig. Sie ziehen meist parallel zu gefährdeten bzw. beschädigten Strukturen oder entgegen der unerwünschten Bewegungsrichtung. Der Unterzug bildet einen Schutz zwischen Haut und tragenden Segmenten des Verbands. Die Verschalung als Abschluss des Verbands sorgt für eine gleichmäßige Kompression sowie Verklebung der einzelnen Schichten. Die Verschalungsstreifen werden unter Muskelanspannung semizirkulär oder zirkulär angeordnet.

Der Tape-Verband ist richtig angelegt, wenn keine Schmerzen, Sensibilitätsstörungen oder Durchblutungsstörungen auftreten. Im Zweifel Tape-Verband entfernen: „Der Patient im Tape-Verband hat Recht.“ In der Regel werden präventive Tape-Verbände nur für die Dauer der Trainingseinheit appliziert. Therapeutische Verbände können so lange angelegt bleiben, wie sie ihre Funktion erfüllen und die Haut des Patienten sie schadlos toleriert. Beim Entfernen gegebenenfalls die Schere mit Vaseline einfetten, die Pflasterstreifen in Haarwuchsrichtung abziehen. Haut mit Wundbenzin von Klebstoffresten reinigen und mit Hautpflegelotion eincremen.

Nachbehandlung

Kontrolle auf Druckstellen, Schnürfurchen, Passform, Hautläsionen, Ödeme.

Autor

Rolf Haaker, Michael Kamp

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