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Peroneus-brevis-Plastik

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Synonyme

Peroneus-brevis-Tenodese; Operation nach Evans; Operation nach Watson-Jones; Operation nach Chrisman-Snook

Englischer Begriff

Lateral ankle tenodesis: Procedures of Evans; Procedures of Watson-Jones; Procedures of Chrisman-Snook

Definition

Rekonstruktion der lateralen fibulotarsalen Bänder mithilfe eines Teils oder der gesamten Sehnen des M. peroneus brevis.

Indikation

Persistente chronische Instabilität des lateralen oberen und unteren Sprunggelenks nach fehlgeschlagener anatomischer Rekonstruktion.

Kontraindikation

Die genannten Peroneus-brevis-Tenodeseoperationen werden als extraanatomische Rekonstruktionen der lateralen fibulotarsalen Bänder angesehen, da sie den präzisen Verlauf dieser Bänder nicht berücksichtigen. Die Tenodesen führen daher zu einem so genannten Tenodeseeffekt, mit erhöhter Rigidität am Ort der Tenodese und subsequenter pathologischer Beweglichkeit im Gelenk. Diese veränderte Biomechanik führt zu Symptomen der Überlastung der medialen Bandstrukturen und zu lateralem Impingement bzw. zur Arthrose. Zudem wird die stabilisierende und dynamische Funktion des M. peroneus brevis aufgehoben oder geschwächt.

Anatomische Rekonstruktionstechniken sind demnach den Tenodesen vorzuziehen und haben bessere Langzeitergebnisse.

Zur direkten anatomischen Bandrekonstruktion benötigt man suffizientes ortsständiges Gewebe (Narben- bzw. Restgewebe der fibulotarsalen Bänder, superiores Extensorenretinakulum).

Ist kein ortsständiges Gewebe vorhanden, können freie Sehnentransplantate zur anatomischen Rekonstruktion verwendet werden. Diese Sehnen (Plantaris longus, Extensor digitus 3/4) werden durch Bohrkanäle an den anatomischen Insertionen der Bänder gezogen.

Durchführung

Hautschnitt entlang der dorsalen Kante der Fibula in Richtung der Basis des Os metatarsale V. Darstellung der distalen Fibula mit den verbliebenen lateralen fibulotarsalen Bandresten an der ventralen Fibula, ca. 1 cm proximal der Fibulaspitze. Eröffnen der Pereonealsehnenscheide. Die Sehne des M. peroneus brevis verläuft im Allgemeinen ventral vom M. peroneus longus, dorsal der Fibula und ist eher flach und der M. peroneus longus eher rund. Für die Watson-Jones- und die Evans-Operation wird die gesamte Sehne des M. peroneus brevis, für die Chrisman-Snook-Operation die halbe Sehne ca. 10 cm proximal der Fibulaspitze abgetrennt und für die Rekonstruktion verwendet. Der distale Ansatz der Sehne bleibt bei allen Varianten intakt. Anschließend werden je nach Technik die Kanäle durch Fibula, Kalkaneus und Talus gebohrt, die Sehne durchgezogen und mit sich selbst und den verbliebenen Bandresten vernäht. Die Orientierung der Kanäle und der Sehne wird demonstriert in Abb. 1 nach Evans, in Abb. 2 nach Watson-Jones und in Abb. 3 nach Chrisman-Snook. Verschluss der Peronealsehnenscheide, schichtweiser Wundverschluss.


Abb. 1.
Orientierung der Kanäle und der Sehne nach Evans.


Abb. 2.
Orientierung der Kanäle und der Sehne nach Watson-Jones.


Abb. 3.
Orientierung der Kanäle und der Sehne nach Chrisman-Snook.

Nachbehandlung

Immobilisation, Eis, Hochlagern bis zum Abschwellen der Weichteile, maximal ein bis zwei Tage postoperativ. Frühes funktionelles Training mit aktiver und passiver Mobilisierung der Sprunggelenke im schmerzfreien Bereich. Belastung in einer funktionellen Schiene oder einem Stabilschuh mit erlaubter Vollbelastung nach Maßgabe der Beschwerden für sechs Wochen postoperativ. Bei wiedergewonnener schmerzfreier Vollbelastung wird mit Physiotherapie zur Verbesserung von Koordination, Propriozeption und Muskelaufbau am Sprunggelenk begonnen. Überlappend oder anschließend erfolgt der sequentielle Einstieg in die Sportaktivität.

Autor

Geert I. Pagenstert, Beat Hintermann, Victor Valderrabano

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