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Gelenkrheumatismus, chronischer

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Synonyme

Chronische Polyarthritis, CP; Rheumatoide Arthritis, RA

Englischer Begriff

Rheumatoid arthritis

Definition

Chronisch verlaufende Autoimmunerkrankung mit symmetrischer Polyarthritis.

Pathogenese

Autoimmunerkrankung unklarer Genese (These: inadäquate Immunreaktion auf Viren- oder Bakterienantigene). Im Rahmen der Entzündungsreaktion kommt es zur Bildung von Zytokinen, Immunglobulinen und Rheumafaktoren (Autoantikörper gegen das Fc-Fragment des IgG). Entzündungsmediatoren und knorpelaggressive Enzyme werden freigesetzt. Die verdickte, entzündete Synovialis (Pannus) überwuchert und zerstört den Gelenkknorpel.

Symptome

Allgemeinsymptome: Abgeschlagenheit, Myalgien, subfebrile Temperaturen. Erste Manifestationsorte der Polyarthritis sind häufig die Hand- und Fingergelenke mit Ausnahme der distalen Interphalangealgelenke, die nicht betroffen sind (Gaenslen-Zeichen: schmerzhafter Händedruck, Spindelfinger, Ulnardeviation, Schwanenhals- und Knopflochdeformität). Brust- und Lendenwirbelsäule sind ebenfalls nicht betroffen. Karpaltunnelsyndrom durch Tendovaginitis.

Diagnostik

Klinik: Diagnosekriterien der ACR (American College of Rheumatology):

  1. 1. Morgensteifigkeit(länger als eine Stunde),
  2. 2. Arthritis von drei oder mehr Gelenken,
  3. 3. Arthritis des Handgelenks, der Metakarpophalangeal- oder der proximalen Interphalangealgelenke,
  4. 4. symmetrischer Gelenkbefall,
  5. 5. Rheumaknoten,
  6. 6. Rheumafaktornachweis im Serum,
  7. 7. radiologische Gelenkveränderungen.

Vier von sieben Kriterien müssen erfüllt sein, die Kriterien 1–4 müssen mindestens sechs Wochen bestehen.

Sonographie: Nachweis von Gelenkergüssen, Baker-Zysten, Bursaergüsse.

Röntgen (Magnetresonantomographie/Szintigraphie): Röntgenstadien der Rheumatoiden Arthritis nach Steinbrocker:

  1. 1. gelenknahe Osteoporose,
  2. 2. zusätzlich beginnende Knorpel- und Knochendestruktion,
  3. 3. zusätzlich Gelenkfehstellungen bzw. /Subluxationen,
  4. 4. Gelenkzerstörung und -deformierung, Gelenkluxation, Ankylose.

Labor: BSG- und CRP-Erhöhung, α- und γ-Globuline erhöht, normo- bzw. hypochrome Entzündungsanämie (Serumeisen erniedrigt), Nachweis des Rheumafaktors (in 40 % bei Krankheitsbeginn positiv, in 80 % im weiteren Verlauf positiv, 5 % positiv bei klinisch Gesunden), antinukleäre Antikörper (in 30 % positiv).

Synoviaanalyse: erhöhte Zellzahl, kein Keimnachweis, Nachweis von Rhagozyten (Granulozyten, die Immunkomplexe phagozytiert haben), Rheumafaktor positiv, Komplement erniedrigt.

Arthroskopie: Probeexzision der Synovialis und Histologie.

Differenzialdiagnose

Kollagenosen, Morbus Bechterew, rheumatisches Fieber, reaktive Arthrititiden, Psoriasisarthritis, Lyme-Arthritis, eitrige Arthritis, Osteomyelitis, Morbus Boeck, Morbus Behçet, Fibromyalgiesyndrom, paraneoplastische rheumaähnliche Beschwerden, Leukämie, Gicht, Athralgie bei Virusinfektion (Hepatitis C).

Therapie

Schonung, Physiotherapie, Kryotherapie, Ergotherapie, nicht-steroidale Antiphlogistika, Basistherapeutika (z. B. Chloroquin, Penicillamin, Goldverbindungen, Methotrexat), Glukokortikoide, Anti-TNF-α-Therapie, bei fortschreitender Gelenkdestruktion operative Maßnahmen (z. B. Synovektomie, Gelenkprothesen, Arthrodese).

Autor

Markus Lerner

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