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Sichelfuß

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Synonyme

Metatarsus adductus; Metatarsus varus; Pes adductus; Serpentinenfuß

Englischer Begriff

Metatarsus adductus; Metatarsus varus; Metatarsus adductovarus; Skewfoot

Definition

Meist beidseits angeborene, selten erworbene Fußdeformität, bei der der Mittel- und Vorfuß im Tarsometatarsalgelenk (Metatarsus adductus) oder in Höhe der Fußwurzel (Pes adductus) nach medial abweichen.

Pathogenese

Intrauterine Zwangshaltungen werden ebenso wie Störungen des Muskelgleichgewichts als ursächlich für den angeborenen Sichelfuß angesehen. Weiterhin wird der Bauchlage der Säuglinge nach der Geburt ein begünstigender Einfluss zugeschrieben.

Die Gelenkflächen der Tarsometatarsalgelenke sind oftmals nach medial abfallend orientiert und das Os cuneiforme mediale kann deutliche Formstörungen aufweisen. Ansatzvariationen der Sehnen der Mm. tibialis posterior und tibialis anterior sind häufig.

Symptome

Es imponiert eine nach lateral konvex gestaltete bogenförmige Konfiguration des Fußes mit Prominenz der Metatarsale-V-Basis. Die Zehen zeigen keine isolierte Achsenabweichung und verdeutlichen die Stellung der Mittelfußknochen. Der Rückfuß kann eine leichte Eversion aufweisen, der Vorfuß ist meist invertiert. Der Scheitel der Adduktionsfehlstellung kann in Höhe der Tarsometatarsalgelenke (Metatarsus adductus) als auch im Bereich der Fußwurzel (Pes adductus) liegen. Bei einem Serpentinenfuß handelt es sich um eine S-förmige Krümmung des Fußes, wobei der Rückfuß evertiert, die Fußwurzel abduziert und der Mittelfuß adduziert und invertiert sind.

Diagnostik

Beim angeborenen Sichelfuß kann die passive Plantarflexion des Fußes vermindert sein. Der M. tibialis anterior und der M. adductor hallucis sind verkürzt, so dass sich die Deformität nicht komplett ausgleichen lässt. Unerlässlich ist eine eingehende Untersuchung der unteren Extremitäten, um eine verstärkte Innenrotation der Unterschenkel sowie Hüftreifungsstörungen auszuschließen.

Mit Beginn des Laufalters wird der Fuß scheinbar innenrotiert aufgesetzt und durch die Inversion des Vorfußes vermehrt lateral belastet.

Die Röntgendiagnostik zeigt regelrecht entwickelte Mittelfußknochen, die medial stärker als lateral nach innen abweichen. Das Os cuneiforme mediale kann deutlich formverändert sein. Bei regelrechter Rückfußorientierung und einem Metatarsus adductus bilden die Längsachsen zwischen Talus und erstem Mittelfußknochen in der Aufsichtsaufnahme einen nach distal offenen Winkel. Zeigt der Rückfuß eine deutliche Eversion, ist es sinnvoller, den Winkel zwischen der Kalkaneuslängsachse und dem ersten Mittelfußknochen zu ermitteln und als Verlaufsparameter zu benutzen.

Differenzialdiagnose

Klumpfuß

Therapie

Die konservative Redressionstherapie ist die Behandlungsmethode der Wahl. Operative Korrekturen an den Weichteilen und dem knöchernen Skelett bleiben residualen Deformitäten vorbehalten. Dies betrifft bei einem Drittel der betroffenen Kinder die Adduktion des ersten Mittelfußstrahls.

Akuttherapie

Teilkontrakte Sichelfußdeformitäten werden unmittelbar nach der Geburt schrittweise manuell redressiert und im Gipsverband immobilisiert.

Konservative/symptomatische Therapie

Geringe Sichelfußfehlhaltungen ohne knöcherne Deformität können durch manuelle Dehnung der medialen Fußsäule, die mehrmals täglich von den Eltern nach Anleitung durchgeführt wird, behandelt werden. Ausgeprägte Deformitäten mit begleitender Rückfußeversion müssen allmählich redressiert und im Unterschenkel- oder Oberschenkelgipsverband immobilisiert werden. Der Gipswechsel muss anfangs mindestens zweimal wöchentlich erfolgen. Nach sechs bis zwölf Wochen kann die Therapie mit physiotherapeutischer Behandlung auf neurophysiologischer Basis und der Verwendung von Nachtlagerungsschienen fortgesetzt werden. In Abhängigkeit vom Befund können zusätzlich auch Antivarusschuhe oder Dreibackeneinlagen mit Fersenfassung eingesetzt werden.

Operative Therapie

Weichteileingriffe: In seltenen Fällen kann bei Kindern im Vorschulalter eine Eröffnung der Gelenke der medialen Fußsäule in Kombination mit einer Verlängerung des M. abductor hallucis (Heyman-Herndon-Operation) und gegebenenfalls auch des M. tibialis posterior ausreichend sein, um einer Wachstumsstörung des Os cuneiforme bzw. des Os naviculare vorzubeugen. Anteilige Verlagerungen des M. tibialis anterior werden nur selten empfohlen.

Knöcherne Eingriffe: Im Vorschulalter kann bei isolierter medialer Abweichung des ersten Mittelfußknochens eine aufklappende Osteotomie des Os cuneiforme mediale durchgeführt werden. Diese Operation kann mit einer schließenden Osteotomie am Os cuboideum kombiniert werden. Im Schulalter können bei harmonischer Adduktion aller Mittelfußknochen abduzierende Osteotomien der basisnahen Mittelfußknochen durchgeführt werden.

Dauertherapie

Nach den operativen Eingriffen sind mehrwöchige Immobilisationen im Gipsverband bis zur knöchernen Konsolidierung erforderlich. Anschließend sind bis zur Normalisierung der Fußkonfiguration intensive physiotherapeutische Behandlungen und gegebenenfalls auch Einlagen erforderlich.

Bewertung

Bei frühzeitiger Behandlung des Sichelfußes ist mit guten klinischen Ergebnissen zu rechnen, wenngleich bei einem Drittel der angeborenen Deformitäten mit einer bleibenden Adduktionsfehlstellung des ersten Mittelfußstrahls zu rechnen ist. Die reinen Weichteileingriffe werden heute wegen unzureichender Ergebnisse nicht mehr als isoliertes Operationsverfahren empfohlen.

Nachsorge

Alle behandlungsbedürftigen Sichelfußdeformitäten sollten bis zur völligen Normalisierung der Fußform fachärztlich kontrolliert werden.

Autor

Renée Fuhrmann

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